Eindrücke David Teil 5

Rast an einer Gedenkstätte
Rast an einer Gedenkstätte

Tag 17 (10.04) Kosice(SVK) - Tyihlash(UKR)

Distanz: 125,6 km

Heute wollten wir es bis in die Ukraine schaffen, einem Land, das für uns beide neu war. Das Wetter war toll, nur die Straßen nicht. Tote Katzen, Hunde, Vögel, Frösche und ein Rehkadaver sahen wir auf unserem Weg. Es ging immer wieder rauf und runter, aber der Gedanke an den neuen Stempel in unseren Reisepässen trieb uns voran. Wir kamen durch mehrere kleine Ortschaften. Als wir eine dieser verließen, meinte Martin auf einmal: "Hier müsste die Grenze laut Karte sein". Vor uns lag ein tiefer Graben. Wir schoben die Fahrräder durch und sahen dann die Grenze. Nur leider war da keine Möglichkeit zur Überschreitung. Wir waren an einem Grenzzaun, der durch Kameras überwacht wurde. Wir sahen keine andere Möglichkeit, als wieder umzukehren. Martin machte vorher noch ein paar Bilder. Und wieder ging es durch den Graben. Ein paar Meter weiter kam uns ein Auto entgegen. Die Grenzpolizei! Bilder aufnehmen an der Grenze ist verboten und Martin sollte die Bilder sofort löschen. Die Polizisten nahmen unsere Daten auf und waren sehr freundlich als sie von unseren Reisezielen erfuhren. Nachdem sie uns den Weg zum nächsten Grenzübergang erklärt hatten, fuhren sie wieder davon. Wir erreichten nach einem Umweg von 15 km den Grenzübergang. In dem kleinen Dorf gab es zunächst viele kleine Einkaufsläden, in denen man noch in Euro bezahlen konnte. Wir fanden sogar ein Restaurant, das beide Währungen entgegen nahm. Wir begossen die Grenzüberquerung mit einem Vodka und der schien richtig gut zu sein. Er ging runter wie Öl! Wir radelten danach noch zu einem nahe gelegenen See und bauten, nachdem Martin dort einen herumstreunenden Hund verjagt hatte, unser Nachtquartier auf.

Martin probiert die ukrainische Suppe
Martin probiert die ukrainische Suppe

Tag 18 (11.04) Tyihlash(UKR) - Chust (UKR)

Distanz: 110,1 km

 

Die Fahrt durch die Ukraine hatte einiges zu bieten. Es gab mehr Hügel auf der Straße als auf der Landkarte von der Ukraine. Jedes Dorf hatte mindestens ein Storchennest. Der Lada war in den dörflichen Gegenden der König der Straße und die Architektur der Häuser war sehr interessant. Es gab sehr viele Hunde, die frei herumliefen. Am Ende eines Dorfes hatten wir meist ein Rudel davon im Schlepptau. Oft war es nur ein "Wuff, Wuff". In einem Dorf lies ein reudiger Dorfköter ein "Grrrrr, Rrrrrr, Grrrrr" vernehmen und fletschte die Zähne. Wir merkten sofort, dass er nicht nur nebenherlaufen wollte, sondern uns attackieren wollte. Wir traten kräftig in die Pedale und entkamen nur knapp. Danach beschlossen wir uns zu bewaffnen: Martin schnappte sich seine Eisaxt und ich hielt mein Pfefferspray griffbereit. Zum Glück kamen wir nun auf eine größere Straße und hatten erst einmal Ruhe vor den Kötern. Wir erreichten die erste Stadt und holten uns die ersten Hrywna (ukrainische Währung). Es waren umgerechnet ca. 34 Euro pro Person. Viel zu viel für 5 Tage Ukraine, wie sich im Nachhinein rausstellte! Zum Mittag fanden wir ein Restaurant. Da keiner unsere Sprache verstand, zeigten wir einfach auf eine Suppe am Nachbartisch und suchten uns was aus der Karte aus, von der ich kein Wort verstand. Ich bin eigentlich nicht sonderlich mäkelig, es sei denn etwas ist mit Kümmel...nur leider war neben Chili, Kartoffeln und etwas Fleisch genau davon reichlich in der Suppe! Ich war sehr froh, dass Martin die Suppe besser schmeckte als die tschechische Kaldaunensuppe und er die Hälfte meiner Suppe übernahm. Als Hauptgericht gab es gefüllte Teigtaschen, die ich als Pirogen kannte. Nur diese waren größer und kamen mit jeder Menge zerlaufener Butter. Zum Nachtisch fand ich sogar Macarons in der Stadt. Lecker! Gestärkt fuhren wir weiter bis Chust, wo wir uns an einem Flussufer niederließen. Das Angeln blieb auf Grund der starken Strömung ohne Erfolg.

Abendbrot bei Bogdan
Abendbrot bei Bogdan

Tag 19 (12.04) Chust (UKR) - Kvasy (UKR)

Distanz: 120,8 km

 

Die Nacht war ziemlich hart gewesen. Ich hatte mich entschieden ohne Zelt zu schlafen, was ich am Morgen bereute. Mein Schlafsack war nicht für Temperaturen unter 5 C° ausgelegt und somit fror ich die ganze Nacht. Zwischenzeitlich hatte es sogar genieselt. Am Morgen gab es wärmenden Kaffee, aber meine Hände zitterten immer noch. Also schnell auf das Fahrrad und wieder warm fahren. Wir fuhren zurück zur Straße und überquerten den Fluss, an dessen Ufer wir übernachtet hatten, auf einer Brücke. Als ich nach rechts unten sah, erblickte ich eine Gruppe von ca. 8 Ukrainern, die bei diesen Temperaturen (es waren zu dem Zeitpunkt ca. 4 C°) auch noch ins Wasser des Flusses sprangen und sich danach einen Vodka gönnten. Naja...andere Länder andere Sitten :-)

Unser Weg führte uns weiter durch ein verlassenes Dorf mit prunkvollen neugebauten Villen, wo wir uns fragten, für wen die denn nun sein sollten. Wir folgten einem mit Müll gefüllten Fluss, der die Grenze zu Rumänien war. Der Anstieg nach Kvasy war dann nicht mehr schwer. Die Airbnb-Unterkunft zu finden, die ich gebucht hatte, schon. Da es dort keine Straßennamen zu geben schien, war auf Airbnb die Hauptstraße des Dorfes als Adresse angegeben. Es hätte also überall sein können. Wir entschieden uns für folgende Strategie: Während Martin die Hauptstraße abfuhr und den ukrainischen Namen der Unterkunft auf Schildern von Pensionen suchte, versuchte ich Leute zu fragen, ob sie den Namen der Unterkunft kannten. Es schien auch niemanden zu geben, der Englisch oder Deutsch konnte. Martin hatte inzwischen die ganze Straße abgefahren und kam wieder zurück. Niente! Da kam mir die Idee, mal jemand das Bild unseres Hosts zu zeigen. In so einem Dorf kennt doch jeder jeden! Ich zeigte einer Frau mit Tochter das Bild und tatsächlich schien sie die Person zu kennen. Ihre kleine Tochter gab uns zu verstehen, dass wir ihr folgen sollten. Sie führte uns zu einem Haus in einer Nebenstraße, was wir niemals gefunden hätten. Wir wurden von Bogdan und sein seiner Familie begrüßt. In unserem Zimmer war ein Ofen, der sofort angemacht wurde. Bogdan kam danach jede 30 Minuten  rein und legte einen neuen Holzscheit nach. Er bot uns ein Abendbrot für 30 Hrywna (ca. 1€) an. Toll dachten wir, so können wir gleich mal etwas Lokales probieren. Wir erkundigten uns noch, ob es möglich wäre, unsere Wäsche bei ihm zu waschen. In dem Moment verließ er den Raum und kam wenige Minuten später mit einer gestarteten Skypesitzung zu seiner Schwester zurück. Sie studierte gerade in London und konnte sehr gut Englisch. Sie erklärte uns, dass Bogdan Sorgen hatte, unsere Wäsche nicht rechtzeitig trocken zu bekommen und er Angst hatte, dass wir dann böse auf ihn sein würden. Wie fürsorglich! Wir erklärten, dass unsere Funktionskleidung schnell trocknet und er sich keine Sorgen machen braucht. Nachdem Abendbrot entschieden wir uns noch, etwas essen zu gehen. Nicht, dass das Abendbrot wenig gewesen wäre, aber es ist unglaublich was man als Fahrradfahrer so verdrücken kann. Wir fanden sogar ein sehr edles Restaurant mit eigener Brauerei. Das bestellen gestaltete sich mal wieder ziemlich schwierig. Mit Hilfe von Google Translate schafften wir es aber, uns einen Salat (Martin mit Karpfen, ich mit Lachs) und einen Vodka als Vorspeise zu bestellen. Danach gab es einen großen Schaschlikspieß und ein Bierprobierset mit Bieren des Hauses. Wow, sie hatten sogar Pale Ale!

 

 

 

Kneipe in Kvasy
Kneipe in Kvasy

Tag 20 (13.04) Kvasy Ruhetag

Distanz: 68,9 km

 

Während sich Martin aufmachte den Howerla zu besteigen, blieb ich im Bett und legte mein Bein hoch. Zwischendurch kümmerte ich mich um die Wäsche und hängte sie im Garten auf und später wieder ab. Ich las ein bisschen im Internet, schrieb Tagebuch und etwas auf die Homepage. Martin war erst gegen Abend zurück, pünktlich zum Abendbrot. Wir wollten uns noch etwas in Kvasy umschauen und fanden eine Dorfkneipe. Ein altes Mütterchen, wie man sie aus Bildern russischer Märchen kannte, stand mit Kopftuch hinter dem Tresen. Es waren außer uns noch 3 Ukrainer in der Kneipe. Es dauerte nicht lange und wir wurden auf einen Vodka eingeladen. Trotz Google Translate verstand ich fast gar nichts. Einer war in der Armee...mehr hatte ich nicht verstanden. Wir zeigten ihnen unsere Route auf der Karte und sie schienen zu verstehen, dass wir auf dem Fahrrad unterwegs waren, worauf sie gleich einen weiteren Vodka bestellten. Ich war eigentlich ganz froh, dass das Mütterchen die Kneipe danach schloss. Dabei war es erst gegen 22 Uhr. Wer weiß, wieviel Vodka die Ukrainer sonst noch bestellt hätten.

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