Eindrücke von David - Teil 6

Hot Tub in Gabis Garten
Hot Tub in Gabis Garten

Tag 21 (14.04) Kvasy (UKR) - Sighetu (ROU)

Distanz: 68,9 km

Für den Morgen war Regen angesagt. Wir wollten es  wenigstens über die rumänische Grenze schaffen. Bevor es losging, erneuerte ich mein Tape und machte dabei einige Fehler, was ich sofort bei den ersten Tritten zu spüren bekam. Das Tempo war dadurch sehr schleppend. Wir fuhren für ca. 40 km den gleichen Weg zurück, den wir gekommen waren. An der Grenze angekommen, sahen wir eine endlos lange Schlange von Autos. Wir fuhren einfach vorbei und zeigten unsere Pässe vor, als wir vorne angelangt waren. Der Grenzbeamte war sehr interessiert an unserer Tour und lies die anderen Autos erstmal warten, um mehr von unseren Abenteuern zu erfahren. In aller Ruhe schaute er sich erstmal unsere Facebookseite an, während die Autoschlange warten musste. Am Ende beschrieb er uns noch den Weg zum nächsten Geldautomaten und wünschte uns alles Gute. Nachdem wir ein paar Leu (rumänische Währung) in der Tasche hatten, brauchten wir erstmal was zu essen. Ihr wisst ja, Fahrrad fahren macht hungrig! Glücklicherweise gab es gleich gegenüber ein Restaurant mit Freisitz. Die Wolken hatten sich inzwischen verzogen und wir saßen sowieso lieber draußen. Beim Gang zum Entleeren meiner Blase vielen mir im Inneren des Restaurants die vielen gut gekleideten Leute auf. Männer größtenteils mit Anzug oder zumindest ein Hemd und die Frauen trugen Kleider. Mein etwas verdrecktes Fahrradoutfit war wie ein Magnet für die Blicke der feinen Leute. Ich war echt froh als ich wieder draußen neben Martin, saß, einem Artgenossen. Den Kaffee danach wollten wir dann doch lieber wo anders trinken und fuhren ein wenig ins Zentrum. In einer Apotheke wollte ich mir noch neues Tape besorgen und Martin Mückenspray. Ein Mann erblickte unsere Fahrräder und erkundigte sich, wo wir her kommen und wo wir hin wollen. Genau diesen Mann trafen wir ein wenig später an einem Lidl wieder und wurden von ihm zu sich nach Hause eingeladen. Natürlich nahmen wir an. Sein schönes Haus aus Holz, war auf einem Plateau über der Stadt errichtet. Im Hintergrund waren die Berge. Man hatte von dort einen traumhaften Ausblick. Unser Gastgeber Gabi wohnt dort mit seiner Frau Rami, zwei Kindern und einem Hund. Uns wurde sofort etwas aufgetischt. Es gab lauter gesunde Sachen, die direkt von seinem Garten den Weg auf unsere Teller fanden. Die Chemie passte von Anfang an und wir hatten einander viel zu erzählen. Als es draußen langsam dunkel wurde, gingen wir rein und es gab die nächste leckere Mahlzeit. Nebenbei füllte Gabi unsere Gläser immer wieder mit einem rumänischen Pflaumenbrand (Palinka). Wir ließen den Abend in einem Hot Tub (Holzbottich zum reinsetzen, mit warmen Wasser gefüllt) in seinem Garten ausklingen. Dort saßen wir unter dem Sternenhimmel mit ein paar Bierchen. Im Hintergrund begleitete ein Kuckuck unser abendliches Bad akustisch mit seinem Ruf. Es war einer unserer schönsten Tage auf der Tour für mich!

Unser Schlafplatz im Haus von George
Unser Schlafplatz im Haus von George

Tag 22 (15.04) Sighetu (ROU) - Bistritz (ROU)

Distanz: 132,3 km

Gabi und Rami bereiteten uns noch ein leckeres Frühstück, bevor wir uns verabschiedeten, bedankten und los radelten. Erholt und gestärkt fuhr es sich gleich viel besser. Auf den ersten 60 km ging es langsam bergauf. Dann erwarte uns noch eine steile Rampe, die wir schnell erklommen. Am Gipfel gab es ein Restaurant, in dem wir uns stärkten, bevor es ins Tal ging. Martin forcierte das Tempo und ich hatte meine Mühe dran zu bleiben. Wir fuhren die nächsten 40 km in 1h 12 min! Wir entschieden noch bis Bistritz zu fahren und waren stolz darauf, an dem Tag schon so weit gekommen zu sein. Am Ende der Stadt Bistritz fragten wir einen Mann, der damit beschäftigt war sein Haus zu bauen, ob wir in seinem Garten zelten dürften. Er erlaubte uns sogar in seinem Haus zu übernachten. Es waren zumindest schon Scheiben drin, die Schutz vor Wind und Regen boten. George erzählte uns, dass er für die Presse gearbeitet hatte und zeigte uns stolz seinen alten Dacia, der noch immer ein Schild hatte, das ihn als Reporter auswies. Er brachte uns sogar noch Wasser vorbei, bevor er uns in seinem Haus allein lies.

 

 

Abendbrot mit etwas Speck zubereitet
Abendbrot mit etwas Speck zubereitet

Tag 23 (16.04) Bistritz (ROU) - Sovata (ROU)

Distanz: 102,8 km

Wir rollten gerade unsere Schlafsäcke ein, da stand George mit frischem Kaffee in der Tür. Er brachte uns außerdem zusätzlich Wegproviant in überdimensionalen Mengen: 1kg Zucker, 1 riesiges Stück Käse, 4kg Speck, Brot und diverse andere Dinge. Wie sollten wir das nur schaffen? Zudem fuhren wir gerade durch den Teil von Rumänien, in dem es eine Überpopulation an Braunbären gibt. Wir wollten trotzdem nicht unhöflich sein und packten alles ein. Der Weg war sehr hügelig und ich musste dem hohen Tempo vom Vortag Tribut zollen. Auf dem Weg mussten wir zudem einigen Hundeattacken entkommen, was zusätzlich Kraft kostete. So schafften wir auch nur knapp über 100 km. Hinter der Stadt Sovata fanden wir einen schönen Platz zum Schlafen und ließen den Abend bei einem Lagerfeuer ausklingen. Wir wollten uns nicht von Bären überraschen lassen und schliefen unter freiem Himmel. Unseren Proviant lagerten wir ein gutes Stück entfernt von unserem Schlafplatz.

Schriftzug über der Stadt
Schriftzug über der Stadt

Tag 24 (17.04) Sovata (ROU) - Brasov (ROU)

Distanz: 150,3 km

Ich wurde am Morgen von einem Rascheln neben mir aufgeweckt. Nur Martin war es nicht. Das Rascheln kam aus einem kleinen Gebüsch neben mir. Vielleicht ein kleiner Bär? Ich hatte meine Kontaktlinsen noch nicht drinnen und konnte nicht erkennen, was es war. Als das Tier mich sah rannte es weg. Schnell die Kontaktlinsen rein, dachte ich mir. Nach ca. 10 Minuten war das Tier wieder da. Es war ein Hund und er war nicht allein. Er hatte Verstärkung geholt und guckte uns nun zusammen mit einem Rudel aus 8 Hunden an. Glücklicherweise hatten sie sich ihre Bäuche schon mit Georges Speck vollgefüllt. Der Anführer der Hundebande entschied, dass es bei uns nicht mehr viel zu holen gab und zog sich mit seiner Bande zurück. Ein Rudel reudige Dorfköter können einem wirklich Angst machen! Wir standen auf und schwungen uns auf unsere Räder. Wir hatten noch einige harte Anstiege vor uns. Das Training machte sich langsam bemerkbar und so kamen wir ziemlich schnell über die ersten Anstiege. Die Gegend war sehr ländlich und somit gab es auch des öfteren Hunde, die uns verfolgten. Dabei war ein Angriff, dem wir wirklich nur knapp entkommen konnten. Wir fuhren gerade auf einer langen Straße. Links und rechts davon waren Wiesen, auf denen man weit gucken konnte. Ungefähr 500 m entfernt sahen wir ein einzelnes Haus, dass ein Hund bewachte. Martin schaute mich fragend an: "Was meinst du, kommt er? ...er kommt...tritt rein!" Wir zogen den Sprint an und der Köter rannte quer über die Wiese auf uns zu. Er kam immer näher und wir traten immer kräftiger in die Pedale. Er war nur noch 2m hinter uns. Mein Fahrradcomputer zeigte 38 km/h an. So schnell war bis jetzt noch keiner gewesen. Wir hielten das Tempo noch eine ganze Weile, bis der Hund endlich langsam zurück fiel und aufgab. Wir guckten uns an und wussten, dass war echt knapp. Martin bewaffnete sich erstmal mit einer langen Rute und befestigte sie an seinem Fahrrad. Er sah ein wenig wie ein Ritter mit Lanze aus. Ich packte das Pfefferspray wieder griffbereit. Der nächste Köter würde es definitiv mit massiver Gegenwehr zu tun bekommen. Wir kamen ziemlich gut voran und entschieden noch bis Brasov zu radeln. Die letzten 10 km bekamen wir es mit starken Gegenwind zu tun und waren sehr glücklich, als wir das Hostel nach 150 km erreichten. Am Abend hatten wir noch etwas Zeit, uns das schöne Brasov anzuschauen. Auf einem Hügel über der Stadt sah man den Namen der Stadt auf einem Schild, das genau wie das in Hollywood aussah. Die Hauptstraße entpuppte sich, spürbar an den Preisen, als Touristenfalle. Was allerdings bei so einer sehenswerten Stadt auch nicht groß verwunderlich war.