Eindrücke von David - Teil 8

Zelten auf den Feldern über Bals
Zelten auf den Feldern über Bals

Tag 29 (22.04) Ramnicu valcea (ROU) - Bals(ROU)

Distanz: 111,2 km

Der Weg vom Fluss zurück auf die Tour führte uns zunächst über Bahnschienen. Nur leider war da kein Übergang, also mussten wir unsere Fahrräder über die 5 Bahngleise drüber heben. An der ersten Tankstelle gab es erstmal Frühstück. Der Tankwart kam gleich mit raus, um unsere Fahrräder zu begutachten. Beim Versuch Martins Fahrrad zu heben, fiel er fast hin :-).

Auf der Weiterfahrt durch die einzelnen Dörfer fiel uns auf, dass man in jedem Dorf etwas anderes am Wegesrand kaufen konnte. In dem einen Dorf gab es Eier, in einem anderen Kartoffeln und wieder in einem anderem Tomatenpflanzen und das alles direkt vor der Haustür in kleinen Mengen. In einem Dorf gab es dann verschiedenes Gemüse und Wein. Da wir auch mal etwas probieren wollten, entschieden wir uns für den Wein, den es in 2l abgefüllten Plasteflaschen für ca. 1,50 € zu kaufen gab. Nach diesem Dorf wurde die Straße größer und sehr unangenehm. Wir fuhren auf einen kleinen Seitenstreifen, während die LKW's in wenigen Zentimetern Abstand an uns vorbei donnerten. Wir beschlossen an diesem Tag nicht ganz so lange zu radeln und suchten uns hinter dem Ort Bals ein Plätzchen zum Zelten. Ein kleiner Weg führte uns zu den Feldern, die über der Stadt lagen. Dort hatten wir einen tollen Ausblick. Während die Sonne so langsam unterging, ließen wir uns den unterwegs gekauften Wein schmecken.

 

LKW an der bulgarischen Grenze mit Kennzeichen ML hinten
LKW an der bulgarischen Grenze mit Kennzeichen ML hinten

Tag 30 (23.04) Bals(ROU) - Widin (BGR)

Distanz: 142 km

Als wir früh aufbrachen, war der Weg zurück zur Straße ziemlich schlammig. Mein Fahrrad war dadurch ziemlich dreckig geworden und da kam der Autowaschsalon in der nächsten Stadt Craiova wie gerufen. Für 5 Lei (ca. 1€) spritzte mir ein Angestellter das Fahrrad komplett sauber. Gegen Mittag fanden wir einen kleinen Mini-Market mit Sitzgelegenheit draußen. Dort trafen wir Radfahrer aus einem Amateurteam, die gerade eine kleine Pause machten. Sie waren Teilnehmer eines Radrennens. Wir sahen auf dem weiteren Weg noch viele Teams, die uns entgegen kamen. Die bulgarische Grenze kam dann schneller als wir dachten. Eigentlich wollten wir noch unsere letzte Lei auf den Kopf hauen, aber es war kein Shop mehr zum Einkaufen zu finden. Stattdessen erwartete uns eine endlose Schlange an LKW's, an der wir schön vorbei fuhren. Hinter dem Grenzübergang gab es eine kleine Wechselstube, die uns gern unsere letzte Rumänischen Lei zu einem miesen Kurs in bulgarische Lew tauschte. Als wir weiterfahren wollten, fiel mir ein LKW auf, der das deutsche Kennzeichen ML(Mansfelder Land) aus meiner alten Heimat hatte. Allerdings nur hinten...vorne hatte er ein Bulgarisches Kennzeichen. Ich hielt an und fragte den Fahrer nach seinem Kennzeichen. Dieser hatte sichtlich Angst und fragte, ob es ein Problem wegen seiner 2 Kennzeichen gab. Ich fragte ihn, woher er denn das Kennzeichen hinten hatte. Von da an wollte er auf einmal kein Wort mehr verstehen. Er dachte wahrscheinlich, ich wär ein Kontrolleur oder so. Widin war die erste Stadt hinter der Grenze. Sehr gespenstisch und trostlos. Wir fuhren durch ein verlassenes Industrieviertel. Eigentlich wollten wir zum Fluss, der durch die Stadt führte, aber irgendwie waren dort entweder furchteinflößende Hundebanden oder irgendwelche Industrieareale, die uns den Weg versperrten. An einem verlassenen Gebäude lösten wir sogar die Alarmanlage nur durch das Vorbeifahren aus. Dort schien es zwar keine Menschen zu geben, aber ein Rudel Hunde kam sofort herbei, um uns zu vertreiben. Irgendwie hatten wir ein mulmiges Gefühl im Bauch und entschieden erstmal diese gespenstische Stadt zu verlassen und irgendwo außerhalb der Stadt wieder an den Fluss ran zu fahren, um dort zu übernachten. Als wir endlich das verlassene Industrieareal hinter uns hatten, fanden wir einen kleinen Feldweg, der uns wieder zurück zum Fluss zu führen schien. Der Weg wurde immer schmaler und schmaler. Auf einmal bekamen wir es mit einem unerwarteten Mückenangriff zu tun. So viele hatte ich noch nie vorher in meinen Leben auf einen Haufen gesehen. Es müssen Tausende gewesen sein. Wir versuchten schnell durch zu fahren und das Ufer des Flusses zu erreichen. Endlich angekommen suchten wir in Verzweiflung das Mückenspray. Unsere Shirts waren immer noch schwarz vor Mücken. Das blöde Spray war ganz unten. Das Ufer war zudem schlammig und wir konnten hier nicht übernachten. Wir hatten jeder über 100 Mückenstiche und es juckte am ganzen Körper. Es half nichts! Wir mussten wieder zurück und nochmal durch. Trotz Mückenspray fingen wir uns wieder etliche Stiche ein. "Kein Fluss heute", meinte Martin zu mir. An einem verlassenen Bunker, an dem nicht weit entfernt Chemiemüll gelagert wurde, bauten wir unsere Zelte auf. Der erste Tag Bulgarien war ein mieser Start! Wir hofften, dass die nächsten Tage besser werden würden...

Zettel auf dem mir die Besitzerin das bulgarische Alphabet zeigte
Zettel auf dem mir die Besitzerin das bulgarische Alphabet zeigte

Tag 31 (24.04) Widin (BGR) - Gorni Lom (BGR)

Distanz: 69,3 km

Heute wollten wir zum Midschur, dem höchsten Berg Bulgariens. Das wellige Gelände machte mir sehr zu schaffen. Es waren nur ca. 60 km bis zum Ziel, aber die Beine fühlten sich müde an. Als wir endlich Gorni Lom, ein Dorf am Fuße des Midschur, erreichten, wurden wir von einem Anwohner mit Axt empfangen. Wir hörten nur "Touristi, Touristi" und auf einmal kam der Mann tatsächlich mit seiner Axt auf uns zu und das nicht um "Guten Tag" zu sagen. Etwas verblüfft wichen wir dem Mann aus und traten in die Pedale. War das gerade wirklich passiert? Auf der linken Seite erblickten wir ein Slum ähnliches Viertel und der Dorfkern wurde auch nicht viel besser. Eine Pension oder einen Schlafplatz schien es hier auch nicht zu geben. Da das Dorf ziemlich unsicher wirkte, wollte mich Martin auch nicht allein zurück lassen und überlegte die Besteigung des Midschur auszulassen. Wir wollten gerade zurück fahren, da sahen wir ein paar Anwohner, die im Vergleich zu den anderen sehr freundlich aussahen. Wir fragten sie nach einer Unterkunft und verstanden nur "Villa 10 km". Wir wollten es wenigstens versuchen. Der Anstieg war der Härteste, den wir bis dahin mit dem Fahrrad gefahren waren. Auf dem Weg sahen wir eine tote Kreuzotter und einige schwarze Salamander mit gelben Punkten. Nach ca. 6km reinem Anstieg kamen wir zu einem eingezäunten Bereich, der einen kleinen Wachposten hatte. Er sagte "Villa 3km links". Der Regen setzte langsam ein und der Weg war kein Asphalt mehr. Meine Schenkel brannten. Nach knapp 3km fanden wir 4 komplett neuerrichtete Schutzunterkünfte, bestehend aus  2 Wänden mit Dach. Der vordere Teil war offen. Unter dem Dach stand ein Holztisch mit einer Bank auf jeder Seite. Davor gab es Feuerstellen und sogar 2 Schaukeln. Was für ein Kontrast zu Gorni Lom. Wir wechselten erstmal die durchnässten Sachen und kochten uns Kaffee und ein Süppchen. Hier konnten wir die Nacht verbringen. Als der Regen nach lies, beschloss ich trotzdem noch etwas hoch zu gehen und da fand ich tatsächlich die "Villa". Innendrin loderte ein gemütliches Kaminfeuer und ich wurde freundlich empfangen und gefragt, ob wir die Nacht über bleiben wollen. Schnell holte ich Martin und dann gab es erstmal Essen für uns. Es war erst später Nachmittag, aber ich war nachdem Essen schon so müde, dass ich mich erstmal hinlegte. Als ich wieder aufwachte, war es schon dunkel und Martin legte sich gerade hin. Ich wollte wenigstens mein Tagebuch noch etwas füllen und ging runter. Die freundliche Besitzerin der "Villa" schenkte mir roten selbst gemachten Wein ein und erzählte mit Händen und Füßen verschiedene Sachen und versuchte mir sogar das Alphabet zu erklären. Ich verstand zwar nur 10% von dem, was sie sagte, aber der Wein schmeckte toll und  so ließ ich die freundliche Dame noch ein wenig erzählen, bevor ich zu Bett ging.

Blick auf die Schutzhütten
Blick auf die Schutzhütten

Tag 32 (25.04) Gorni Lom (BGR) - Borovtsi (BGR)

Distanz: 58,7 km

Martin hatte am Morgen den Midzor bestiegen und war gegen Mittag zurück. Nach einer Stärkung verabschiedeten wir uns von der netten Besitzerin der "Villa" und fuhren los. Wir stoppten kurz an den Schutzhütten, um ein Erinnerungsfoto zu machen und dann ging es weiter nach Gorni Lom. Das Dorf schien etwas freundlicher, wenn man von der anderen Seite kommend durchfährt...aber nur minimal. Wir schafften noch knapp 60 km und hatten dann ernsthafte Probleme etwas Essbares aufzutreiben. Es kam nur noch ein kleines Dorf namens Borovtsi, was wie ausgestorben war. Es schien allerdings sehr viele Hunde zu geben. Nachdem wir den einzigen Mini-Market mit Cafe nebenan fanden, wussten wir, wo die Leute waren. Wir deckten uns mit dem Nötigsten ein und fuhren aus dem Dorf raus und fanden an einem Fluss eine Zeltmöglichkeit. Es war noch früher Abend und ich beschloss noch einmal ins Dorf zurückzufahren, da wir feststellten, dass unser Kaffee alle war und noch ein Bierchen am Abend auch schön wäre. Nachdem dem Einkauf wurde ich von einem der Männer draußen, der nur noch 2 Zähne im Mund hatte, auf einen Vodka eingeladen. Ich verneinte höflich, irgendwie hatte ich ein ungutes Gefühl. Der Mann wurde sofort sauer und fragte, ob ich denn nur Cola trinken würde. Ich fuhr lieber schnell von dannen und kämpfte mich durch die vielen Hundebanden zu Martin durch. Ich war wirklich froh, mein Abenteurerfreund wieder zu sehen.