Eindrücke von David - Teil 10

Foto mit der Französin (La Trottineuse)
Foto mit der Französin (La Trottineuse)

Tag 37 (30.04.) Plowdiw (BGR) - Ptelea (GRC)

Distanz: 155,7 km

Martin lies mich ein wenig länger schlafen. Als ich aufwachte, hatte er schon Frühstück organisiert. Es blieb sogar ein klein wenig für mich übrig. Ich fühlte mich relativ fit, trotz der schweren Etappe am Vortag. Es schien sogar realistisch, am Ende des Tages die griechische Grenze zu erreichen, die 140 km entfernt war. Griechenland ist eines meiner Lieblingsländer! Ich liebe das Essen, die Leute und dachte daran, am Abend ein schönes Glas griechischen Wein zu trinken.

Nach ca. 1h auf dem Sattel, hörte ich es hinter mir laut krachen. Martin hatte sich den ersten Platten eingefahren. Ein großes Stück Glas war daran schuld. Martin entschied sich dafür, nur den Schlauch zu wechseln und den Reifen noch bis Istanbul zu verwenden. Es war ja schließlich nicht mehr so weit. Gegen Mittag fanden wir ein großes Restaurant, das zu einem Hotel gehörte und wir schienen die einzigen Gäste zu sein. Wir hatten Hunger und bestellten Vorspeise, Hauptgericht, Nachtisch und zusätzlich Brot. Wir hatten auch Durst und bestellten eine große Flasche Wasser. Martin trank noch einen Kaffee und ein großes Radler und ich gönnte mir neben einen Kaffee, noch einen O-Saft und einen Mango-Lassi. Die Rechnung kam und betrug umgerechnet 18 Euro...für uns beide :-).

Etwas später kam uns eine Französin auf einen Pushbike entgegen. Martin hatte auf Facebook (La Trottineuse) schon über sie gelesen! Eine Tour quer durch Europa auf dem Pushbike und das allein. Wir machten zusammen ein Foto und dann ging es auch schon weiter. Es war schließlich noch ein Stück bis zur Grenze und wir wollten es unbedingt schaffen. Das Tempo wurde gegen Ende auch deutlich schneller. Gegen 19 Uhr hatten wir es dann endlich geschafft. Wir sahen die griechische Grenze! Nun mussten wir nur noch ein Restaurant finden. Wir rollten auf einer großen Straße am ersten Dorf vorbei, da es uns etwas klein für ein Restaurant erschien. Das 2. Dorf war etwas größer und wir wollten es dort versuchen. Den ersten Griechen, den wir sahen, fragten wir sofort, ob wir irgendwo im Ort Abendbrot bekommen könnten. Leider gab es nur einen kleinen Laden, zudem uns der freundliche Grieche mit seinem Motoroller hinbrachte. Wir versuchten typische griechische Dinge zum Essen zu kaufen (eingelegte Oliven, Feta...) und natürlich holten wir auch eine Flasche griechischen Wein. Der Verkäufer war auch sehr freundlich und schenkte uns noch Kaffee für das Frühstück. Da wusste ich wieder, warum ich Griechenland so gern hatte! Wir fuhren noch bis zum Dorfende und fanden ein Holzrondell, wo wir die Nacht verbringen wollten. 

 

Tag 38 (01.05.) Ptelea (GRC) - Lüleburgaz (TUR)

Distanz: 117,2 km

Martin überraschte mich mit griechischem Joghurt zum Frühstück, den er extra für mich gekauft hatte. Ein wunderschöner Sonnenaufgang hob meine Laune zusätzlich. Wir waren nur noch wenige Kilometer von der türkischen Grenze entfernt, dem letzten Land auf meiner Reise. Die erste Stadt hinter der Grenze war Edirne. Die Architektur der Häuser, die Moscheen und die verschleierten Frauen ließen mich zum ersten Mal richtig spüren, wie weit wir schon mit dem Fahrrad gekommen waren. Mein Abenteuer war schon fast vorbei und für Martin ging es jetzt erst richtig los. Die Türkei schien ein Radfahrer-begeistertes Land zu sein. Im Schnitt jedes vierte Auto hupte, zeigte uns den Daumen hoch oder die Insassen klatschten, als sie uns passierten. Hinter Edirne fuhren wir auf eine große Gruppe von Radfahrern auf, die einen Eisladen zum Ziel hatten. Wir beschlossen uns anzuschließen und folgten auf einen großen Eisbecher. Es war toll sich mit den türkischen Radfahrern zu unterhalten. Wir mussten aber weiter, da wir schon am nächsten Tag in Istanbul sein wollten. Die vielen Kilometer der letzten beiden Tage machten sich langsam bemerkbar und ich war ziemlich langsam, so dass Martin andauernd warten musste. Der Gegenwind machte mir aber ganz schön zu schaffen. In Lüleburgaz wollten wir uns erstmal stärken und hielten an einem großen Einkaufszentrum. Ich hatte mich schon sehr auf mein erstes Köfte gefreut und endlich war es soweit. Dazu wollte ich etwas Neues probieren und holte mir das Getränk "SALGAM SUYU", von dem mir Martin vorher erzählt hatte. Martins Beschreibung: "Als ich das erste Mal das Getränk probierte, dachte ich, dass ich es ausversehen mit dem Salatdressing verwechselt hatte..." Es war ein fermentierter Karottensaft, der stark nach Essig schmeckte. Nach dem ersten Schluck konnte ich Martins Beschreibung zu 100% zustimmen. Eher als Dressing geignet :-)! Da der Gegenwind immer schlimmer wurde, hielten wir es für eine gute Idee, unsere Kräfte für den nächsten Tag zu sparen. Wir wollten uns noch ein Bier organisieren und fragten in einigen Bars und Restaurants. Fehlanzeige! Hier wurde nirgends Alkohol ausgeschenkt. Am Ortsausgang gab es eine Tankstelle. Kein schlechter Ort zum Zelten. Man hat dort W-LAN, Strom, eine Toilette und wenn man was zu essen oder trinken braucht, holt man es sich einfach. Bier gab es übrigens auch hier nicht.

Tag 39 (02.05.)  Lüleburgaz (TUR) - Istanbul (TUR)

Distanz: 147,4 km

5 Uhr weckte mich Martin wie ausgemacht. Wir holten uns in der Tankstelle noch etwas zum Frühstück und dann ging es los. Dachten wir...! Martin hatte einen Platten. Ob es gerade passiert war oder ein Resultat des beschädigten Reifens, konnten wir nicht rausfinden. Diesmal wechselte Martin gleich Reifen und Schlauch. Jetzt konnte es endlich losgehen...dachten wir...! Als wir los wollten, war der Reifen von Martin wieder platt. Das musste untersucht werden. Der neue Schlauch hatte tatsächlich einen Riss. Martin holte seinen letzten Schlauch aus der Tasche. Es war inzwischen schon nach 7 Uhr und wir hatten noch viele Kilometer bis nach Istanbul vor uns. Glücklicherweise war der Wind besser als am Vortag und wir kamen gut voran. Wir fuhren auf dem Seitenstreifen einer zweispurigen Straße, was nicht gerade angenehm war. Die Autos feuerten eng an uns vorbei. Man konnte das Meer schon sehen. Langsam waren auch immer mehr Häuser an der Straße. Wir merkten nicht einmal, dass wir schon in Istanbul waren. Es waren zwar noch 40 km bis ins Zentrum, aber wir waren schon in Istanbul. Die Straße wurde dann vierspurig und die Strecke teilte sich immer wieder. Zwei Spuren nach links und zwei nach rechts. Das bedeute für uns, dass wir oft in der Mitte fahren mussten! Die Autos donnerten nur so links und rechts vorbei. Im Nachhinein war das Ganze schon ziemlich grenzwertig. Aber irgendwie komisch. Es störte uns einfach in dem Moment nicht und wir beide hatten ein dickes Grinsen im Gesicht und genossen es sogar ein wenig. Uns war inzwischen bewusst, wir waren mitten in Istanbul. Im Freudentaumel fuhren wir weiter dem Zentrum entgegen. Leider konnten wir kein Stadtschild finden. Istanbul war in den letzten Jahren so sehr gewachsen, dass das Schild irgendwo zwischendurch gewesen sein musste. War uns dann aber auch egal, den wir wussten: Wir hatten es geschafft! Insgesamt waren es ca. 3400 km mit 30000m Höhenunterschied und jeder Menge Abenteuer. Vielen Dank an alle, die mich unterstützt haben!